BUND und NABU lehnen geplante Hähnchenmastanlage in Langelsheim ab

 

 

 

NABU                                                                                  BUND     

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Goslar, den 20.10.2010

 

Pressemitteilung

 

Umweltschutzverbände BUND und NABU Goslar lehnen die geplante Hähnchenmastanlage Langelsheim ab

  

Goslar. Aus Sicht unseres Umweltschutzverbandes ist die geplante Hähnchenmastanlage in Langelsheim aus mehreren Gründen abzulehnen.

 

Jüngst bestätigte ein Beitrag im DGS-Magazin für die Geflügelwirtschaft und Schweineproduktion, Ausgabe 35/2010, was in Naturschutzfachkreisen schon lange bekannt ist: Der EU-Inlandsmarkt ist mit Hähnchenfleisch versorgt. Deutschland ist mit 105,3 % Selbstversorgungsgrad gesättigt. Bereits jetzt wird die Überproduktion subventioniert in Drittländer abgesetzt, wo sie die zumeist bäuerlichen Erzeugungsstrukturen vernichtet. Die weitere Steigerung der Hähnchenfleischerzeugung basiert auf der Annahme, dass der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland um mindestens 400 g pro Jahr steigt. Sollte das entweder nicht eintreten oder der zusätzliche Bedarf durch andere günstiger produzierende Länder gedeckt werden, wird es zum Aufbau einer Hähnchenfleischblase kommen, die regulierende Effekte nach sich zieht – Verdrängung durch niedrigere Preise und/oder mindere Qualität. Letzten Endes werden die Bauern diejenigen sein, die trotz der immensen Anfangsinvestition die Suppe auslöffeln müssen .

 

Neben den monetären Aspekten gibt es aber noch eine Reihe anderer Gründe, die Anlage abzulehnen – sie sind gesundheitlicher, umweltschützerischer und ethischer Natur.

 

Die massenhafte Erzeugung von Hähnchenfleisch auf engem Raum ist durch massiven Einsatz von Antibiotika geprägt. Im Gegensatz zur Schweine- oder Rindermast ist die individuelle Medikation des einzelnen Tieres unmöglich. Stattdessen wird bei auftretender Krankheiten der gesamte Bestand über das Futter oder das Trinkwasser „behandelt“. Das führt zur prophylaktischen Gabe von Antibiotika, was in die Ausbildung von resistenten Bakterien mündet (z.B. MRSA – Multi Resistente Staphylococcus Aureus). Diese Bakterien werden mittlerweile von Medizinern weltweit als eine der Hauptbedrohungen für die Wirksamkeit von Behandlungen mit Antibiotika gesehen, da der MRSA in der Lage zu sein scheint, seine Resistenzgene auf andere Bakterien zu übertragen.

MRSA und andere Bakterien werden über die Abluft, den Mist, die Tiertransporte und letzten Endes auch über die Landwirte verbreitet, die in solchen Ställen arbeiten.

 

Die Abluft des geplanten Stalles wird jährlich mit etwa 2 Tonnen Ammoniak angereichert sein, das in Anbetracht der anzunehmenden Hauptwindrichtung um Süd-West zu einem Großteil im etwa 400 m entfernten FFH-Gebiet Innerste-Aue (mit Kahnstein) und dem Vogelschutzgebiet Innerstetal von Langelsheim bis Groß Düngen niedergehen wird. Der aus dem Ammoniak stammende Stickstoffeintrag kann zu einer negativen Veränderung des Lebensraums führen, dessen Erhalt und positive Entwicklung durch Unterschutzstellung gesetzlicher Auftrag ist.

 

Die jüngere Vergangenheit hat wieder einmal gezeigt, dass die Art und Weise der Tierhaltung in solchen Mastanlagen aus ethischer Sicht abgelehnt werden muss. Die Tiere sind derartig auf Fleischzuwachs gezüchtet, dass sie, selbst wenn man sie ließe, kaum älter als 70 Tage würden, da ihr Kreislaufsystem es einfach nicht schafft. In diesem Zusammenhang wird zu recht von Qualzucht gesprochen. Die durchschnittliche Lebensspanne eines Masthähnchens beläuft sich auf etwa 40 Tage. Dann hat es ein Gewicht von 2 kg und mehr erreicht und ist reif für die Schlachtung.

 

Schlussendlich ist die Haltung von Masthähnchen mit starken Geruchsemissionen verbunden, die in der Nachbarschaft zu mitunter erheblichen Lebensqualitätseinbußen führt.

 

Aus den oben genannten und vielen anderen Gründen werden wir die weitere Entwicklung des geplanten Vorhabens genau beobachten.

 

Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen.

 

Für die Goslarer Umweltverbände:

Mathias Kumitz

NABU Goslar

1. Vorsitzender

Beuthener Weg 5

38642 Goslar

0177/8876 685



Unser Büro...

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