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BUND-Regionalverband Westharz

 

Presseinformation von BUND/NABU Goslar zum Landtagsbesuch – öffentliche Petitionsübergabe 23.10.2019

Landtagspräsidentin und Abgeordnete nehmen offiziell Landtagspetition entgegen

Zur offiziellen Übergabe der Petition gegen die Erweiterungspläne des Diabas-Steinbruchs Huneberg und des Gabbro-Steinbruchs Bärenstein an der B 4 oberhalb von Bad Harzburg und die dafür geplante Entlassung von Gebieten aus Trinkwasservorrang- und Schutzgebieten an den Umweltminister Niedersachsens, Olaf Lies und die Goslarer Landtagsabgeordneten, Dr. Alexander Saipa, Petra Emmerich-Kopatsch und Julia Hamburg, reiste eine Delegation von Vertretern des BUND und des NABU Goslar am 23.10.2019 nach Hannover. Am Rande der stattfindenden Plenarsitzungen wollten die Umweltschützer, neben der Überreichung, mit Minister und Abgeordneten im Landtag ins Gespräch kommen und ihr Anliegen näher erläutern.

Ermutigt zu diesem Besuch wurden die Naturschützer durch den Grünen Abgeordneten Dragos Pancescu, der sich bereits bei einem Ortsbesuch in Bad Harzburg persönlich ein Bild von der Situation gemacht hatte (die GZ berichtete).

Auf die erfolgte Einladung zu dem Treffen aus dem Abgeordnetenbüro Pancescu gab es zunächst eine mündliche Zusage von Umweltminister und den Abgeordneten Hamburg und Emmerich-Kopatsch. Dr. Saipa verwies auf seine regionale Nichtzuständigkeit.
Bedauerlicherweise und zum Erstaunen der zum Gespräch erschienenen Abgeordneten Hamburg und Pancescu, musste Herr Lies seine Zusage aus terminlichen Gründen kurzfristig revidieren.

Die Landtagseingabe mit Unterlagen zu den Erweiterungsplänen und zugehörigen Gutachten konnte dann allerdings erfreulicherweise an die Präsidentin des Niedersächsischen Landtages, Gabriele Andretta, die sich spontan dazu bereit erklärte, sowie an die Abgeordneten der Grünen Landtagsfraktion, Julia Hamburg und Dragos Pancescu überreicht werden. Landtagspräsidentin Andretta bedankte sich hierbei für das Engagement und sagte eine sorgfältige Prüfung des Anliegens durch die Landesregierung und die Mitglieder des Petitionsausschusses zu.

Bei der Präsidentin des Landtags Andretta und den anwesenden Abgeordneten Hamburg und Pancescu bedanken wir uns.


 


 

Diabassteinbruch Huneberg bei Bad Harzburg – 50 ha weitere Naturzerstörung in Planung – BUND und NABU protestieren

Goslar – Bad Harzburg. Die Harzer Pflastersteinbrüche Telge & Eppers (Niederlassung der KEMNA BAU Andreae GmbH & Co KG) planen, den Steinbruchbetrieb am Huneberg um ein neues Abbaufeld mit 50 ha Größe zu erweitern. Das Abbaugebiet liegt aktuell in den Wasserschutzgebieten Bad Harzburg und Granetalsperre (Radau-Überleitung) und ist im Regionalen Raumordnungsprogramm als Vorranggebiet für Trinkwassergewinnung ausgewiesen.

Dieses Thema steht auf der Tagesordnung des Umweltausschusses des Landkreises Goslar am morgigen 29.8.2019.

Schon heute ist dieser Steinbruch einer der flächenmäßig größten Natureingriffe im gesamten Westharz. Nunmehr soll der Bruch um weitere 50 ha vergrößert werden – und das in schutzwürdige Lebensräume und sogar in ein Wasserschutzgebiet hinein. Und der Landkreis Goslar will am morgigen Tage sogar schon in vorlaufendem Gehorsam seine Zustimmung erklären, vgl. anl. Vorlagen und die Karte.

Der Vorgang Steinbrucherweiterung "Huneberg Ost“ liegen den Harzer Umweltverbänden seit vielen Jahren am Herzen und wir haben uns hier schon lange engagiert, auch in den jeweiligen Behördenverfahren.

Die Erweiterung des Steinbruchs ist bereits seit mehreren Jahren von langer Hand vorbereitet. Gutachten weisen – wie fast immer – nach, dass die früher getroffene Abgrenzung von Wasserschutzgebieten falsch und zu großzügig war. Warum kommt eigentlich kaum mal ein Gutachter zu der Auffassung, dass die Abgrenzung "genau richtig" oder "zu klein" war? Und dass in Zeiten des Klimawandels eine Stadt wie Bad Harzburg auf solche Wasservorkommen, die jetzt geopfert werden sollten, angewiesen sein könnte? Denn eine derzeit nicht in Betrieb befindliche Trinkwasserentnahmestelle im Riefenbachtal wird seitens den beteiligten Verwaltungen plötzlich als "bedeutungslos" und "nicht erforderlich" erklärt – weil sie dem Steinbruch im Wege steht!

Als nächstes wird die relevante Wasserschutzgebiets-Verordnung geändert und dann im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung der Nachweis geführt, dass die Erweiterung umweltverträglich ist.

Die Steinbrucherweiterung verspricht mittelfristig die Sicherung einer überschaubaren Zahl von Arbeitsplätzen sowie die Bereitstellung von Baumaterialien für die Fortsetzung von Landschaftszerstörungen und Bodenversiegelung durch Straßenbau und sonstige Bauvorhaben. Beim Abbau wird weiterhin Asbest freigesetzt. Die Staub- und Lärmbelastung auf der B 4 auch in der Kurstadt Bad Harzburg bleibt zumindest noch jahrzehntelang bestehen. Der weitere Abbau behindert gleichzeitig das Recycling, das weltweit stark forciert wird, denn nun sind ja weitere Gesteinsmengen günstig zu kaufen.

Derzeit kann die Stadt Bad Harzburg in den meisten Jahren ihren Trinkwasserbedarf noch unabhängig und in kommunaler Selbstverwaltung aus eigenen Quellen sichern. In sehr regenarmen Jahren wie zuletzt 2018 müssen aber auch die Harzburger Stadtwerke bereits Wasser von den Harzwasserwerken zukaufen, um die eigenen Brunnen zu schützen. Im Hinblick auf den Klimawandel ist zu erwarten, dass der Bedarf an Trinkwasser auch in Bad Harzburg ansteigt und bei versiegenden Quellen immer schwerer zu decken sein wird. Trotzdem soll nun die Steinbrucherweiterung oberhalb des Riefenbachtals, das Hauptversorgungsgebiet der Stadt, vorangetrieben werden und eine bereits vorhandene Entnahmestelle geopfert anstatt als Reserve ausgebaut werden?
 

BUND Westharz, Dr. Friedhart Knolle
NABU-Kreisgruppe Goslar, Wolfgang Moldehn

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